A Native Lad – Benny Benson Tells Alaska’s Story

A-Native-Lad

Die Journalistin Sarah Hurst hat sich für den Titel ihres ungewöhnlichen Buchprojekts bei der zweiten Strophe von „Alaska’s Flag Song“ bedient: „A Native lad chose the Dipper’s stars / For Alaska’s flag that there be no bars / Among our cultures…”

Wie übersetzt man nun „Native Lad“? Eskimojunge? Junger Ureinwohner? Am besten wohl gar nicht: Alle deutschen Umschreibungen wirken unbeholfen, ja unpassend – und sind darüber hinaus auch noch völlig überflüssig. Um maximalen Nutzen aus dieser Graphic Novel ziehen zu können, sind ohnehin gute bis sehr gute Englischkenntnisse vonnöten. Wer den Band von vorne bis hinten durcharbeitet (und manchmal ist es Arbeit), erhält einen detaillierten Überblick: Dargestellt werden die Meilensteine der letzten 150 Jahre in der Geschichte Alaskas. Und das mittels Wort und Bild. Die Autorin hat sich für die Illustration ihrer fein recherchierten, faktenreichen Story eine Zeichnerin und acht Zeichner an Bord geholt.

Diese an sich tolle Idee, mehreren Zeichnern die Gelegenheit zu geben, an einer ungewöhnlichen Darstellung der Geschichte Alaskas mitzuwirken, hat leider auch Nachteile. Denn die Stile der Künstler sind so unterschiedlich, dass man Mühe hat, die Personen aus der letzten Szene in der folgenden Szene zu identifizieren, da sie ja von einem anderen Zeichner geschaffen wurden. Zusammen mit den teilweise seeeehr langen Texten in den Sprechblasen nehmen diese optischen Herausforderungen die ganze Konzentration des Lesers in Anspruch, jedenfalls wenn er mehr will, als nur mal oberflächlich über die Seiten zu scannen.

Wer sich aber auf die manchmal recht mühsame Prozedur des intensiven Lesens und Zuordnens einlässt, weiß am Ende wirklich viel über die Geschichte Alaskas. Die Erklärungen und Diskussions-Anstöße im Anhang eignen sich hervorragend, das Gelesene noch zu vertiefen. Hier merkt man dann so richtig, dass diese Graphic Novel hauptsächlich für Schüler und den Unterricht gemacht wurde. Den Englischlehrerinnen und -lehrern hierzulande sei das Buch folglich empfohlen, allerdings aufgrund des Niveaus erst für höhere Klassenstufen.

Sarah Hurst stammt aus England und hatte bereits in Russland, Aserbaidschan und China gelebt, bevor sie 2001 nach Anchorage zog. 2007 drehte sie mit dem TV-Produzenten Larry Goldin eine umfangreiche Dokumentation zum Thema Alaska und den Weg zum Statehood Act. Die Journalistin war im Rahmen der Recherchen zum Film bei unzähligen Interviews dabei und erfuhr so aus erster Hand, welche Hindernisse überwunden werden mussten, bis sich Alaska am 3. Januar 1959 Bundesstaat der Vereinigten Staaten nennen durfte. Dieses angesammelte Wissen nutzte Sarah Hurst 2008, um ein Bühnenstück zur Geschichte Alaskas zu schreiben. Dieses Stück, das hauptsächlich für die Aufführung an Schulen gedacht ist, bildet wiederum die Basis für die Graphic Novel „A Native Lad – Benny Benson Tells Alaska’s Story„.

Der Titel verrät es: Als Erzähler fungiert Benny Benson, der 1927 als 13-Jähriger die Flagge Alaskas entwarf. In der Graphic Novel besitzt er die Fähigkeit, durch die Zeit zu reisen. Benny gelangt in die Gegenwart, trifft auf die Schülerin Abigail und zeigt ihr die wichtigsten Stationen in der Geschichte Alaskas vom „Alaska Purchase“ über das „Statehood Movement“, den „Struggle for the Alaska Native Claims Settlement Act“ bis zur „Discovery of oil at Prudhoe Bay“ und deren Folgen. Zum Schluss hat sogar noch Ex-Gouverneurin Sarah Palin einen Überraschungsauftritt. Doch von ihr – das darf man schon mal verraten – wird nicht gerade ein sympathisches Bild gezeichnet.

Die Graphic Novel eignet sich für Schüler und Erwachsene. Jüngere Kinder werden sowohl von den Zeichnungen als auch vom anspruchsvollen Inhalt überfordert sein. Des Weiteren will beachtet werden, dass das Buch für ein amerikanisches Publikum konzipiert wurde. Wer noch nichts über die Geschichte Alaskas weiß, sollte sich vorher zumindest bei Wikipedia oder anderen Quellen mit den historischen Eckpfeilern vertraut machen. Fehlt dieses Basiswissen, fühlt man sich auch als Erwachsener schnell von der Menge an Informationen erschlagen, die in den prall gefüllten Sprechblasen transportiert werden.

Für alle Alaska-Fans und -Interessierte ist dieses etwas andere Geschichtsbuch aber auf jeden Fall eine lohnende Sache. Es ist alles drin: Fakten, Dramatik, auch Action. Und die Botschaft: Nur Toleranz und Respekt führen ans Ziel. Einzig die Prise Humor fehlt. Aber das wäre vielleicht dann wirklich zu viel des Guten gewesen…

Produktinformationen:
Paperback: 148 Seiten
Verlag: Greatland Graphics, Anchorage, Alaska
Sprache: Englisch
ISBN: 978-0-982189696

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