Seasons of Alaska – Alaskas Jahreszeiten

Seasons of Alaska – Alaskas Jahreszeiten

Europäer, Asiaten, Afrikaner, auch Amerikaner, die noch nie in den Genuss gekommen sind, Alaskas Schönheit live zu erleben, glauben zumeist, hier im Norden gebe es keine Jahreszeiten, allenfalls Variationen in der Schneedichte. Das ist grundfalsch, wie der poetische Bildband „Seasons of Alaska – Alaskas Jahreszeiten“ beweist.

Zugegeben, wer den Begriff „Alaska“ zuerst mit dem Phänomen „Schnee“ verbindet, liegt ja nicht total daneben. Nicht umsonst gibt es in der Eskimosprache 21 Bezeichnungen für die unterschiedlichen Ausprägungen des Schnees. Der Winter, auch das lernt man beim Studium dieses Bildbands, ist Alaskas identitätsstiftende Jahreszeit: Die anderen seien entweder Folge oder Vorbereitung darauf, wird behauptet. De facto sind Frühling, Sommer und Herbst kürzer als in unseren Breitengraden. Aber genau deshalb pulsiert in diesen Jahreszeiten das Leben, als gebe es kein Morgen!

„Seasons of Alaska – Alaskas Jahreszeiten“ ist bereits 2001 erschienen. Ein alter Schinken? Keineswegs. Der Kauf lohnt auch heute noch. Atemberaubende Naturfotografien verblassen nun mal nicht, sie sind zeitlos. Sie sind auch nicht von Modetrends abhängig, Grizzlys tragen schließlich keine Schlaghosen. Man merkt sofort, dass alle Bilder von Alaska-Kennern stammen, von Alaska-Fans, von Einheimischen, die ihr Zuhause lieben. Kein Foto wirkt aus der Hand heraus geknipst. Vielmehr hat man den Eindruck, für jedes wurde eigens eine geistige Verbindung zwischen Fotograf und Motiv aufgebaut.

Auch bei den Einleitungstexten zu den jeweiligen Jahreszeiten hat man sich Mühe gegeben. Die Beschreibungen sind in Englisch, (gut formuliertem) Deutsch und Japanisch verfasst. Das ist prima, doch wer des Englischen überhaupt nicht mächtig ist, kann mit den Bildbeschreibungen – allesamt auf Englisch – nicht viel anfangen. Wer aber sein Englisch verbessern will, insbesondere die Tierkunde betreffend, kann hier noch viel lernen.

Nette Idee: die Zitate zwischen den stimmungsreichen Fotografien, auch auf Englisch. Gedichte und Statements von Schriftstellern, Naturkundlern oder Kulturphilosophen unterstreichen die Schönheit der Fotos mit Worten, die zum Schwelgen und Nachdenken anregen. Man darf zwar bezweifeln, dass der britische Dichter John Milton jemals in Alaska war, wie auf Seite 75 indirekt behauptet wird, aber wir wollen mal nicht kleinlich sein.

„Seasons of Alaska – Alaskas Jahreszeiten“ ist ein Bildband nicht nur über, sondern vor allem aus Alaska. Das ist der Unterschied zu anderen, vielleicht neueren Erscheinungen am Buchmarkt. Auch zehn Jahre nach seiner Veröffentlichung taugt er als hervorragende Einstimmung für kommende Alaska-Reisen. Dimmen Sie einfach das Licht im Wohnzimmer, stellen Sie ein Heißgetränk neben sich, und schwelgen Sie beim Durchblättern in Vorstellungen, Träumen, Erinnerungen.

Produktinformationen:
Hardcover & Softcover: 128 Seiten
Verlag: Greatland Graphics, Anchorage, Alaska
Sprache: Englisch, Deutsch, Japanisch
ISBN Hardcover: 0-93642576-8
ISBN Softcover: 0-93642577-6

Dieser Beitrag wurde unter Literatur veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.