Wer braucht schon die Zivilisation?

Das Frühstück (dieses Thema beschäftigt mich fast täglich, gell – vielleicht eine Manie?) bestritten wir heute so ziemlich allein aus unseren Vorräten, weil Thosten momentan allein zu Haus ist, und wie er selbst sagt, manchmal das Essen vergisst (unvorstellbar). Rebecca, wie er Biologin, verbringt den Sommer nämlich mit Feldstudien. Den Rest des Tages vertrödelten wir mit Besorgungen, einem Besuch im College Coffee House, wo wir unsere Beiträge für euch hochladen und so diesem und jenem. Tage in der Zivilisation sind verlorene Tage, wie ihr seht …

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Verfrühte Mittsommernacht

Guten Morgen! Nach einer Nacht in einem der urigsten Hotels bzw. Inns, das mir je untergekommen ist, genossen wir ein Früstück, das unser Host selbst zubereitet hat – einen Kirschkuchen. Naja, auch wieder nicht das Frühstück, das ich mir erträumt hatte, aber gut, gut ich will ja nicht meckern. Meine Bocksbeinigkeit im Bezug auf mein Früstück geht Micha eh ein wenig auf die Nerven, also hielt ich die Klappe und versorgte mich aus dem Fond unseres Trucks, der wie immer gut gefüllt ist. Für heute stand ein kurzer Zwischenstop in Anchorage auf dem Programm und dann nix wie weiter nach Fairbanks, denn heute war der Tag von Torstens großer, wenn auch vorgezogener Mittsommernachtsfeier, die wir uns auf keinen Fall entgehen lassen wollten.

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Regen-Hike

Nach einer recht unbequemen Nacht im Auto und einem Erwachen im strömenden Regen ohne Frühstück (was, wie ihr euch ja vorstellen könnt, meine Stimmung nicht gerade anhob) fuhren wir (wenn ich wir sage, meine ich diesem Fall immer Micha) den restlichen Weg nach Seward. Dort angekommen, mussten wir uns sofort um das Projekt „Nahrungsaufnahme“ kümmern, bevor mein Blutzuckerspiegel und damit meine Stimmung in den Keller absacken konnte. Micha erkor für uns ein Restaurant wo wir ein Frühstück aus Pfannkuchen und Sirup zu uns nahmen. Also, so nett diese amerikanischen Frühstückssachen für sich genommen auch sein mögen, zum Frühstück sind die nix für mich: Rühreier und Bacon, Frühstückswürstchen, Pfannkuchen und so – das ist doch alles sehr schwer verdaulich. Da bin ich, wie Micha zu sagen pflegt, ein wenig unflexibel. Da brauche ich mein „European Style Breakfast“, damit ich alles zum Glück habe, aber hie und da geht so eine amerikanische Früstückserfahrung schon.

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Heiße Quellen

Whitehorse ist keine Stadt, die durch Schönheit besticht, also hielt sich unser Sightseeing in Grenzen. Dafür besuchten wir ein naturhistorisches Museum, ein Transportmuseum, wo all die ausrangierten Maschinen zu bewundern sind, die die Goldgräber brauchten, aber auch die Flugzeuge, Schiffe, Kutschen und Eisenbahnen mit denen sich die Menschen dieses Land zugänglich machten. Gott sei Dank sind immer noch viele Gebiete nicht über Straßen, nicht mal über Trails zu erreichen – und es bleibt hoffentlich so. Aber es ist schon erstaunlich, wie verbissen Menschen etwas verfolgen, von dem sie glauben, dass es ihr Glück sein könnte. Bilder im Museum zeugen davon, dass die Goldgräber sogar tonnenschwere Holzöfen über den Chilkootpass gezerrt haben, mal abgesehen von all der Ausrüstung, die sie brauchten, um überhaupt die Genehmigung zu bekommen, um einen Claim abstecken zu dürfen.
Nach diesem anstrengenden Museumstag gönnten wir uns eine Shoppingtour zu „Canadian Superstore“. Doch ich als „Fred Meyer-Victim“ war enttäuscht: das war nicht das Shoppingparadies, das ich gewohnt war. Immerhin gab es das gute „Ben & Jerry“-Eis, an das ich mich verhängnisvollerweise schon so gewöhnt habe, dass ich jeden Tag eins brauche. Aber Micha hilft mir, aufopferungsvoll wie er halt ist, dann doch immer, die 400 ml zu bewältigen. Aber Leute, mal ehrlich, in diesem Land nimmt man schneller zu, als einem lieb ist, das wird hart, zu Hause wieder disziplinierter zu sein. Naja, noch ist Urlaub …
Nach unserem Abendessen, das wir im Regen unter dem Schutz der Heckklappe unseres Trucks „genossen“, gönnten wir uns eine Auszeit in den Takhini Hot Springs, heißen Quellen, die direkt neben unserem Zeltplatz gelegen waren. Herrlich!

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Goldrausch

Nachdem wir Whitehorse verlassen hatten gings schnurstraks weiter nach Dawson City, dem Mekka des Golrauschs. Diese Stadt kommt wirklich noch so daher wie vor hundert Jahren, es scheint sich nicht wirklich viel geändert zu haben. Am Yukon, der friedlich auf seinem Weg zur Beringsee hier vorüberzieht, liegt ein historischer Schaufelraddampfer in der goldenen Abendsonne, neben windschiefen, verfallenen Häusern prangen Saloons mit prächtigen „false fronts“, den falschen Fassaden, die die Goldgräber in die Spiel- und Vergnügungshöllen locken sollten. Auch wir wollten uns heute Abend in eine solche begeben. Bei „Diamond Tooth Gertie’s“ schauten wir uns eine Aufführung mit Can-Can-Tänzerinnen an und ließen uns von der Atmospäre gefangen nehmen. An den Spieltischen neben uns wurde Roulette und Black-Jack gespielt und damals wie heute versuchen die Menschen hier ihr Glück zu machen. Damals wie heute in den wenigsten Fällen mit Erfolg.

Nach der Show machten wir einen Ausflug zum Midnight Dome, wo ich einen der spektakulärsten Sonnenuntergänge meines Lebens zu sehen bekam. Unglaublich schön. Am nächsten Morgen stand Kultur auf dem Programm, also ab ins Museum, wo wir uns gleich auch unsere Belohnung abholten. Wofür? Wir hatten bei einem Wettbewerb mitgemacht, bei dem es darum ging, soviele Museen wie möglich zu besuchen. Wir hatten sechs von 13 geschafft und bekamen ein Poster (hab‘ aber noch keine Zeit gehabt, es anzugucken).

Danach, ich hatte im Museum eine Broschüre über Dawsons alte Friedhöfe entdeckt, habe ich Micha wieder auf einen Friedhofstrip mitgeschleppt. Dawson hat sehr viele Friedhöfe, für verschiedene Konfessionen, Berufgruppen und aus verschiedenen Epochen. Denn zur Goldgräberzeit war Dawson die einzige Stadt mit Krankenhaus und so wurden viele Kranke hierhergebracht, die es dann doch nicht geschafft haben. Auch einige Deutsche waren darunter, lustigerweise gleich daran zu erkennen, dass sie einen Grabstein haben, wie es bei uns Sitte ist. Die anderen Gräber haben nur schlichte Holztafeln, denn Steine mussten per Schiff herangeschafft werden, denn in Dawson und Umgebung hatte wahrscheinlich keiner Lust sich als Steinmetz zu verdingen, wenn es doch nach Gold zu graben galt.

Nach einem schnellen Imbiss, Micha wurde schon langsam ungeduldig, denn wir hatten ja noch etwa 650 Meilen bis Seward zurückzulegen, gings auf die Fähre, die uns über den Yukon bringen sollte. Der „Top of the World Highway“, bescherte uns traumhafte Ausblicke auf eine unglaublich schöne Landschaft. Mittendrin, beim Anblick eines riesigen Schneefelds, packte Micha der Rappel und er beschloss, da mal kurz runterzurutschen. Nach diesem und noch anderen kurzen Stopps am Wegesrand wurde es natürlich wieder viel zu spät und wir haben uns irgendwo am Wegesrand entlang des Cook Inlets ein Plätzchen zum Schlafen gesucht.

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