Auf den Spuren der Goldsucher

In der Nacht vor unserer Fahrt am Samstag mit der Fähre von Juneau nach Skagway (ca. 7,5 Std.) erreichte uns auch der für den Nordwesten übliche Regen. Ein perfektes Wetter für den Abschied von Juneau. Wir hofften nur, dass Skagway nicht auch von dieser Wolke eingeschlossen war. Leider wurden wir enttäuscht. Auch dort war der hinsichtlich der Waldbrandgefahr dringend notwendige Regen angekommen. Nachdem bereits die vorherige Nacht eher feuchtkalt und ungemütlich, unser Außenzelt völlig durchnässt und ich genervt vom Klang der Tropfen auf dem Zeltdach war, gönnten wir uns ein trockenes Zimmer im Westmark.

Der Sonntag begrüßte uns dagegen mit strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel. Also fuhren wir nach Dyea, dem Nachbarort von Skagway, der eigentlich nicht mehr existiert. Doch zur Zeit des großen Goldrauschs war Dyea sogar größer als Skagway und der Hafen, an dem Jack London das Nordland betreten hat. Heute hat sich die Natur die Überreste des Ortes größtenteils einverleibt . Auf einem Spaziergang durch die „Straßen“ von Dyea mit einer der Park Rangerin Connie erhielten wir einen erstklassigen Einblick in die Geschichte des Ortes von vor dem Goldrausch bis heute. Eine typische „boom and bust“-Geschichte, wie man sie in den meisten Büchern nachlesen kann.

Von Dyea aus führt der Chilkoot Trail über den berühmt berüchtigten gleichnamigen Pass. Dies war der beschwerliche und für viele tödliche Weg, den eine Vielzahl der Goldsucher zu den Goldfeldern des Klondikes führen sollte. Eigentlich wollten auch wir diesen 33-Meilen-Trail bewandern. Aufgrund der doch noch winterlichen Witterung am Pass und Lawinenwarnungen, verwarfen wir diesen Plan. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Ich komme wieder, keine Frage.

Danach ging’s zurück nach Skagway zum Touri-Shopping und einem weiteren geführten historischen Spaziergang. Zufälligerweise gerieten wir dort an einen Park Ranger, der allem Anschein nach der Ehemann von Connie war. Beides beeindruckende Persönlichkeiten mit einem wahren Naturtalent als Edutainer. Beiden gelang es auf anschauliche und unterhaltsame Weise Geschichte lebendig zu machen. Das ist selbst vor einer solch beeindruckenden Kulisse, wie Skagway sie zu bieten hat, eine tolle Leistung.

Am gestrigen Nachmittag machten wir uns auf den Weg in Richtung Whitehorse, über den White Pass, vorbei an Carcross mit seiner „kleinsten Wüste der Welt“. Durch die einstündige Zeitverschiebung kamen wir hier erst gegen 22.30 Uhr an und ließen uns auf dem Campingplatz bei den Takhini Hot Springs nieder. Nachdem es dann heute Nacht wieder regnete, begannen wir den heutigen Tag mit Indoor-Aktivitäten und besuchten das Beringia Interpretive Center, um uns einen Eindruck davon zu verschaffen, wie es hier zur Zeit von Mammut und Mastodon aussah.

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich neben der geschichtsträchtigen S.S. Klondike und blicke auf den Yukon River. Von einem vorbeikommenden Touristen habe ich außerdem erfahren, dass Staples einen offenen WLAN-Zugang hat. Den werde ich dann hoffentlich später nutzen können, um diesen Eintrag hochzuladen. Wir haben uns jetzt doch für eine etwas gemütlichere Location entschieden. Zola’s Café Doré (Main St.) bietet kostenlosen WLAN-Zugang bei vorzüglichem Kaffee.

Über Michael Grosch

Michael Grosch studierte Amerikanistik und Geografie in Erlangen. Auf seiner ersten Reise durch Alaska und den Yukon im Jahre 1995 und während eines Auslandssemesters an der University of Alaska Fairbanks im darauf folgenden Jahr wurde seine Leidenschaft für den nördlichsten US-Bundesstaat entfacht. Seither kehrt er immer wieder für längere Reisen in den hohen Norden Nordamerikas zurück.
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5 Antworten auf Auf den Spuren der Goldsucher

  1. KATHRIN sagt:

    Hi Micha,

    träum, was für schöne Bilder, Neid! und Erinnerungen an Kanada letztes Jahr kommen hoch. Aber Alaska is ja der Wahnsinn, so viel Natur!!!!!!!!!! Langsam kann ich dich verstehen!
    Bin heut zum ersten mal auf deiner Seite im web, echt genial, so live dabei zu sein. Also langsam reizt es mich auch dort mal einen Urlaub zu verbringen, ich bin wirklich sehr sehr überrascht, irgendwie dachte ich Alaska wäre eine einzige Eis- und Gletscherwüste, aber du hast mich vom Gegenteil überzeugt. Freu mich schon auf weitere Bilder und Geschichten und wünsch dir vorerst alles Liebe aus Frostideutschland, vielleicht bringst du ja den Sommer mit! bis bald mal Kathrin

  2. Mama und Papa sagt:

    Hallo Ihr Zwei,
    war schön wieder von Euch zu hören. Seid Ihr jetzt beide Alaska infiziert?
    Zugegeben, es ist momentan sehr schön dort und uns haben Eure Bilder begeistert. Aber uns ist es hier doch lieber, schon wegen der Temperaturen im Winter und im Sommer wegen der Bären ;-).
    Wir wünschen Euch noch viel Spaß und schöne Tage in Deinem (Eurem?) Traumland.
    Liebe Grüße
    Mama und Papa

  3. Meßler sagt:

    Hallo Astrid! Hallo Michael!
    Ihr scheint euch ja schon richtig heimisch zu fühlen im hohen Norden. Die Witterung passt auch: Regen und Kälte (genau das Richtige für mich). Von den Temperaturen ist es hier derzeit auch nicht anders: knapp über dem einstelligen Bereich. Wie sich eure erfreulich ausführlichen Schilderungen anhören, würdet ihr sicher gerne noch ein paar Wochen dranhängen, kann ich verstehen. Hier verpasst ihr eh nichts. Ich wünsche euch noch eine erholsame Zeit, genießt die letzte Woche und lasst euch vom Großen Geist inspirieren.
    Beste Grüße
    Klaus

  4. Peggy sagt:

    Was?????? Ihr seid schon zwei Wochen weg???? Wahnsinn, wie die Zeit rast!!! Gott, hoffentlich kommt ihr wieder… Warum muss euch der Meßler auch erzählen, dass es hier so kalt ist????
    Ich habe gestern doch tatsächlich die Slide-Show-Funktion entdeckt und kann nun voller Stolz sagen, dass ich jedes, aber auch jedes Bild bestaunt habe (ihr zwei wisst, warum ich das an dieser Stelle so betone) – angefangen von Bären-Ka… über Monsterfliegen bis hin zu Micha am Marterpfahl (oder war das nur eine Streck-Übung?). In Kombination mit euren Berichten hat man tatsächlich das Gefühl, dabei zu sein (seufz).
    Astrid: Mir fehlt noch ein Foto von „Fred Meyer“ (ich liebe deine Supermarkt- und Essgeschichten – so sind wir Frauen halt: immer an Details interessiert!)
    Micha: Das mit dem Blockhütten-Bau lass mal lieber. Nachdem Astrid die Gouverneurs-Butze in Juneau gesehen hat, wird sie mit einer Holzhütte im Wald wohl kaum mehr zufriedenzustellen sein. Aber jetzt mal im Ernst: Eure Berichte sind klasse, die Bilder sind klasse, Alaska ist ganz eindeutig klasse – ich kann jetzt verstehen, warum du und mittlerweile vermutlich auch Astrid so begeistert von diesem idyllischen Paradies bist/seid. Geniesst die letzte Woche! Ich warte noch auf ein Bild von einem Bären (also nicht nur von seinem Haufen oder von seinem Tatzenabdruck) – aber bitte aus der Ferne mit Zoom. Und vergesst nicht: Micha muss noch einen Fisch fangen. Also Micha: Nicht nur im Wasser planschen – ARBEITEN!
    Ganz liebe Grüsse,
    Peggy

  5. Heike sagt:

    Hallo Micha,
    soso, du treibst dich also wieder im hohen norden rum und es klingt echt nicht schlecht, was man da so erlebt…. Mich treibt es ja immer eher in wärmere gefilde, mosambik und so. viele grüße von heike

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